Photos by Dawn Wilcox 

Jeremiah Johnson meint es ernst mit der Musik. Leider hat ihn die COVID-19 Pandemie von 2020 quasi arbeitslos gemacht. Seine Antwort auf diese unvermeidbar schwierige Situation heißt Unemployed Highly Annoyed.  

 

Zunächst sah 2020 für den aus St. Louis stammenden Musiker vielversprechend aus. Sein Ruf Records-Album Heavens to Betsy stieg zum Jahresbeginn auf Platz drei in den Billboard Blues Charts ein und erreichte bis Mitte April die Nummer eins. Mit diesem Erfolg in der Tasche und über 70 geplanten Konzerten mit dem Ruf Records Blues Caravan in Europa, wurden die Weichen für den großen Durchbruch gestellt. Dann kam alles mit kreischenden Bremsen zum Stehen. Nach einigen Monaten in Quarantäne ist er sich zu einer kreativen Lösung durchgerungen.

„Diese erzwungene Arbeitslosigkeit war mehr als frustrierend“, gibt Johnson zu. „Also habe ich mich dazu entschlossen, ein Album voller Songs zu produzieren, die von der COVID-19 Pandemie inspiriert wurden. So habe ich versucht, die emotionale Achterbahnfahrt in Musik umzuwandeln. Am Ende ist ein wahres Konzeptalbum entstanden.“ Das Ergebnis ist eine erstklassige Blues- und Roots-Rock-Platte, die zu gleichen Teilen vom verblüffenden Gitarrenspiel und leidenschaftlichen, südstaatlich angehauchten Gesang des Künstlers geprägt wird. Unemployed Highly Annoyed spiegelt treffend die heutigen Zeiten wider und liefert eine musikalische Botschaft, die die Hörer auf der ganzen Welt nachempfinden können.

 

Unemployed Highly Annoyed wurde von nur drei Musikern konzipiert, eingespielt und aufgenommen. Der erfahrene Drummer und Perkussionist Tony Antonelli (ex-Devon Allman Project) erfüllt seine treibenden Beats mit einer Mischung aus schlagkräftiger Aggression und stilsicherem Fingerspitzengefühl. Paul Niehaus IV liefert nicht nur eine Meisterleistung am Bass und Keyboard, sondern zeichnet sich auch für die Produktion und Engineering zuständig. Seine Verfahrensweise holt den Hörer schnurstracks in den Aufnahmeraum zu den Musikern. Das, was man hört, bekommt man auch. Und das, was man bekommt, ist magisch. 

„Es ging nicht darum, perfekt zu spielen oder einen glatten Sound zu erzielen“, erklärt Johnson. „Ganz im Gegenteil: Ich habe meine einzige Gitarre direkt in den Verstärker eingestöpselt. In dem wir fast alles live aufgenommen haben, sollten die Leidenschaft und Energie der Songs beibehalten werden. Im Grunde hört man drei arbeitslose, ziemlich verzweifelte Musiker, die etwas tun, um am Ende nicht pleite da zu stehen!“

 

Jeder der sieben eigenen Songs erkundet einen anderen Aspekt der Pandemie. Bei „Rock and Roll Music to the Soul” geht es um den Wunsch, endlich mal wieder ein Livekonzert zu besuchen. „Love and Sympathy” nimmt sich die Herausforderungen als Paar in der Quarantäne als Thema. Der Titelsong „Unemployed Highly Annoyed” klingt schwer nach den 70ern und hätte auch live beim legendären Woodstock-Festival entstehen können. „Der Song ist eine Reaktion auf die Headlines, die man momentan im TV und in den sozialen Medien sieht. Der einer sagt dies, der andere das. Aber egal, wo man in der öffentlichen Debatte steht – ich bin arbeitslos und ziemlich genervt davon!” sagt Johnson. 

In seiner Südstaaten-Hymne „Burn Down the Garden” arbeitet er mit dem Bild eines von Unkraut befallenen Gartens, der niedergebrannt werden soll, damit dort „Samen der Liebe“ eingepflanzt werden kann. Bei „Muddy Black Water” geht es um das nackte Überleben und das Hinunterschlucken des eigenen Stolzes, das oft damit verbunden ist. Der 8. Track und einzige Coversong des Albums ist eine feurige Interpretation des Luther Allison-Klassikers „Cherry Red Wine”. Spätestens hier belegt Johnson seine außergewöhnlichen Fähigkeiten als moderner Bluesgitarrist. „Fast jede Textzeile auf dem Album habe ich geschrieben, während ich in der Telefon-Warteschleife vom Arbeitsamt saß”, sagt er. Seine Verzweiflung ist in jeder Note zu spüren.

 

Jeremiah Johnson mischt die Klänge des amerikanischen Südens, den Blues des Mississippi-Flusses und einen Hauch Country-Flair. Sein gefühlsgeladener, südlich angesiedelter Bluesrock wird angeheizt von seiner großen Lebenslust und beschreibt den alltäglichen Kampf des Normalbürgers. Er schreibt Songs von Bedeutung und setzt sie mit seiner emphatischen Stimme und mit großem musikalischem Können überzeugend um. Mit Unemployed Highly Annoyed liefert er eine Momentaufnahme von unseren turbulenten Zeiten und lässt dabei seine Talente zum Vorschein kommen. Die schwierigste Phase seines Lebens als Profimusiker hat ihn letztendlich zur bisherigen Bestleistung inspiriert.