Es lebe der König. Vier Jahre nach dem Tod des legendären B.B. King bleibt sein überragender Einfluss auf die Blueswelt – und darüber hinaus – ungebrochen. Von den langjährigen Fans, die von der einmaligen Konzertaufnahme Live At The Regal von 1965 noch immer fasziniert sind, bis zu den jungen Gitarristen, die mit einem Hauch von B.B.s berühmten Vibrato die Emotionalität ihrer eigenen Soli zu steigern versuchen, wird Kings Musik für immer und überall nachhallen. Dieses Jahr wird der Geist des unvergleichlichen Bluesman sogar noch stärker als sonst zu spüren sein – dank eines neuen, hochkarätig besetzten Albums namens The Soul Of The King.

 Der Begriff Legende ist eigentlich zu wenig, um B.B. Kings Stellung im Pantheon des Blues zu beschreiben. Seine Geschichte, die auf einer Baumwollplantage in Mississippi begann und ihn bis an die Spitze des Blues brachte, steht in seinen gefeierten Studioalben und sagenumwobenen Liveauftritten geschrieben. Mit seiner soulgetränkten Stimme und seiner Fähigkeit, mit nur einer gespielten Note die tiefsten Gefühle zu erzeugen, hat er das Genre geradezu revolutioniert. Nun möchte die B.B. King Blues Band – bestehend aus Musikern, die ihn über 35 Jahre lang zur Seite standen – das nächste Kapitel schreiben. Ihr Album The Soul Of The King mischt liebevolle Versionen von Klassikern aus Kings Diskografie mit bandeigenen Stücken. „Es es wichtig, dass sein Erbe weiterlebt“, sagt der ausführende Produzent Terry Harvey.

Mit gleich mehreren Songwritern von Weltrang in ihren Reihen liefert The B.B. King Blues Band Titel, die den Vergleich mit der Hinterlassenschaft ihres einstigen Bandleaders nicht scheuen brauchen. Der eingängige, von Bläsern verstärkte Shuffle Low Down, die brodelnde Ballade She’s The One, der beschwingte Funk von Taking Care Of Business und das denkwürdige Hey There Pretty Woman (von Trompetenlegende James ‚Boogaloo‘ Bolden) sind nur einige Beispiele. Joe Louis Walker zollt seine Anerkennung im großen Stil bei Regal Blues während Kenny Wayne Shepherd bei der Auftaktnummer Irene Irene einen meisterhaftes Gitarrensolo spielt, das King stolz gemacht hätte. „Diejenigen, die B.B. zur Lebzeiten nie live hören oder sehen konnten“, erklärt der Produzent Harvey, „bekommen von dieser Platte einen wichtigen Einblick in seinen Stil und seine Einflüsse.“

               Heutzutage traut sich kaum ein Musiker an den Songs von B.B. King ran, wohl aus Sorge, dass sie nicht annähernd so viel Soul ausstrahlen wie der Mann selbst. Kings ehemalige Begleiter dagegen – allesamt Jahrzehnte lang im Bluesgeschäft aktiv – haben seine Musik schon längst verinnerlicht. Bei den Sessions in den Paramount Recording Studios in Hollywood und in den Lucky Run Studios in Houston stellten sie ihr großes Können unter Beweis. „Nach 35 Jahren an B.B.s Seite, leben und atmen sie seine Musik“, sagt Harvey. „B.B. ist ein Teil von ihnen geworden.“

Aus Kings umfangreichem Katalog eine Songauswahl zu treffen, hätte zur Geduldsprobe werden können. Im Rahmen von The Soul Of The King hat das Lineup clever entschieden: Sie richteten sich nach dem jeweiligen Studiogast. „Sobald jemand seine Beteiligung am Projekt bestätigt hatte, haben wir uns daran gemacht, Songs aus dem Fundus von B.B. raus zu suchen, die gut zu dessen Stimme passen“, erinnert sich Harvey. „Wir wollten uns weitgehend am Original halten und trotzdem frischen Wind rein bringen. B.B. soll immer in Erinnerung bleiben, daher ist es wichtig, dass heute auch junge Menschen seine Musik kennen lernen.“

               Auftrag ausgeführt: Auf The Soul Of The King werden einige von Kings bekanntesten Stücken mit neuem Leben erfüllt. Michael Lee singt The Thrill Is Gone mit sehr viel Herz. Paying The Cost To Be The Boss bringt die Gesangs- und Gitarrentalente von Mary Griffin und Taj Mahal zusammen. Kenny Neal fesselt mit ergreifendem Gesang und bluesigen Gitarrenlicks bei Sweet Little Angel. „Zu beobachten, wie die verschiedene Künstler mit dieser Band arbeiten, war für mich eine aufschlussreiche Erfahrung“, reflektiert Harvey. „Jeder war gut vorbereitet, insbesondere Mary Griffin, die voller Elan ins Studio gekommen ist und ihren Gesangsbeitrag in nur zwei Takes fertig hatte.“

               Klar – die B.B. King Blues Band kann auf eine illustre Vergangenheit zurück schauen. The Soul Of The King zeigt allerdings, dass sie auch nach vorne blicken. Sie drücken damit die Liebe für ihren verstorbenen Kollegen aus und zeigen gleichzeitig, dass ihre Musik heute noch von Relevanz ist. „Mit diesem Album wollten wir der Welt zeigen, dass die Band von B.B. King noch gesund und munter ist“, resümiert Harvey. „Und, dass wir sein musikalisches Erbe in uns weiter tragen.“